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Zu früh für Hoffnungslosigkeit. Was ist los in Syrien?

Datum:

28.10.2025

Uhrzeit:

19:00 bis 21:00 Uhr

Ort:

Kriegsstraße 100 in Karlsruhe | Saal im 6. OG (Post-Giro Gebäude)

Preis:

Anmeldung erforderlich: geschaeftsstelle.difk@landratsamt-karlsruhe.de

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reuter.2025 © C.Reuter

Liebe Freunde des Deutsch-Israelischen Freundeskreises,

wir laden herzlich zu einem Vortrag mit unserem langjährigen Referenten und SPIEGEL-Kriegsreporter Christoph Reuter ein.

Niemand hatte damit gerechnet: Nach mehr als fünf Jahrzehnten der bleiernen Diktatur des Assad-Clans in Syrien, nach 13 Jahren eines verheerenden Krieges, rollten vergangenen Dezember die islamistischen Rebellen innerhalb einer Woche fast ohne Widerstand durch bis Damaskus.Baschar al-Assad floh in letzter Minute nach Moskau, der neue Machthaber Ahmed al-Sharaa (zuvor: Mohammed al-Jolani) versprach allen Minderheiten gleiche Rechte und Gesetz statt Rache. Doch nach drei Monaten der Ruhe massakrierten Milizionäre, die letztlich zum Regierungslager zählen, etwa 1500 Alawiten, Assads ehemalige Machbasis, an der Küste. Im Juli folgten Gefechte zwischen Drusen und Milizen im Süden. Kippt jetzt der Wiederaufbau, bevor er überhaupt begonnen hat?

Fährt man durch jene Gebiete Syriens rund um Homs, Hama, wo Anfang des Jahres als Erstes Racheakte der einst Verfolgten an Assads Schergen in direkter Nachbarschaft erwartet wurden, trifft man: friedliche Dörfer und Städte. Dort ist die Lage weit hoffnungsvoller als erwartet. Das Gesamtbild ist eher ein Kaleidoskop: geprägt von vielen lokalen Initiativen, die versuchen, beides ohne Blutvergießen zu schaffen: rechtliche Verfolgung der Täter, aber keine Rache. Gleichzeitig haben die Gefechte und Massaker in Sweida gezeigt, wie rasch die Lage eskalieren und explodieren kann. Wer, wie viele in Europa, einen raschen Übergang Syriens zu einer normalen Demokratie mit fairen Wahlen und Parteien erwartet hat, muss enttäuscht werden. Schon, weil es überhaupt keine programmatisch geprägten Parteien in unserem Sinne gibt. Weil die Menschen sich entlang ihrer ethnischen, religiösen Identitäten formieren, was ganz eigene Gefahren birgt. Die Frage ist, was man realistisch erwarten kann - und auch, inwieweit die Jahre des Krieges, der lokalen Ermächtigung von Städten, selbst Dörfern ein Korrektiv bilden können zu allen Versuchen, abermals ein autoritäres Regime zu errichten.

Unser Referent, Christoph Reuter, schloss sein Studium der Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Germanistik mit dem Magister (der Universität Hamburg) ab. Anschließend absolvierte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Ab 2003 war er Auslandskorrespondent in Bagdad und in Kabul. Er berichtete für GEO, Stern, Greenpeace Magazin und Die Zeit aus der islamischen Welt zwischen Marokko und Kirgisistan, mit den Schwerpunkten Naher Osten und Afghanistan. Dafür erhielt er 1997 den Axel-Springer-Preis. 2002 kam sein Buch über Selbstmordattentäter „Mein Leben ist eine Waffe“ heraus. 2011 wechselte er zum Spiegel. Reuter spricht fließend Arabisch. Nebenbei war er als Dozent für „Investigative Research“ am Institute for War and Peace Reporting tätig und hat zudem in Afghanistan, im Irak und im Libanon Journalisten ausgebildet. Seit 2021 bereiste er Afghanistan, die Ukraine sowie die nordiranisch-irakische Grenzregion. In seinem Vortrag berichtet Reuter, der seit vielen Jahren immer wieder beim Deutsch-Israelischen Freundeskreis für spannende Veranstaltungen bekannt ist, über seine persönlichen Erfahrungen als Kriegsberichterstatter sowie über die besondere Situation in Afghanistan nach dem Abzug des Westens. Als erfahrener langjähriger Beobachter der Weltlage kann er uns Zusammenhänge aufzeigen und zu neuen Einsichten verhelfen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Bitte informieren Sie auch Freunde und Bekannte.

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