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Bericht zum Vortrag von Frau Dr. Petra Heldt vom 04.04.2022

„Arabisch sprechende Christen in Israel“ - Ein Leben mit Zukunft.

Israel beherbergt die einzige wachsende christliche Kirche im Nahen Osten, berichtete Dr. Petra Heldt, Pfarrerin in Jerusalem, seit 1986 Direktorin der Ökumenisch-Theologischen Forschungsgemeinschaft und Fakultätsmitglied am Jerusalem University College für den Fachbereich Hebräische Wurzeln des Christentums und christliche Geschichte und Theologie im Mittleren Osten.

Etwa 180.000 Christen leben in Israel. 80 Prozent davon sprechen arabisch-aramäisch, andere syrisch, äthiopisch und andere Sprachen. Die Zahl der Christen sei von 1948 bis 2021 um 311 Prozent gestiegen, und sie wachse weiter. In den anderen (arabischen) Staaten des Nahen Ostens nehme die Zahl seit Jahren rapide ab. In Bethlehem beispielsweise sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 95 auf 5 Prozent der Einwohner.

Die meisten Christen lebten in Galiläa, ca. 70 Prozent, weitere 13 Prozent in und um Haifa. Die größten Gemeinden seien Nazareth mit ca. 22.000, Haifa mit 16.000 und Jerusalem selbst mit 13.000. Dort lebten die unterschiedlichsten christlichen Gruppen, die sich zum Teil feindlich gegenüberstanden. Doch der „Kampf um Jerusalem“ sei vorbei.

Die meisten christlichen Zuwanderer seien aus Hebron und Umgebung gekommen. Diese „Hebroniten“ hätten den Platz der „Einheimischen“ in Jerusalem eingenommen.

Ca. 80 Prozent der christlichen Israeli besitzen einen höheren Bildungsabschluss, lernten hebräisch und sind „voll integriert“. Ca. 60 Prozent sind mit ihrem Leben in Israel „zufrieden“, weitere 24 Prozent „sehr zufrieden“.

Die „westlichen Kirchen“, Katholiken und Protestanten, würden nur eine unter- geordnete Rolle spielen. Dies gelte besonders für die protestantischen Christen. Die Zahl „der Frommen“, z.B. der Baptisten, würde zwar wachsen, die lutherischen und die unierten Kirchen seien allerdings zu unbeweglich und arbeiteten nicht nachhaltig genug. Für sie sei das „palästinensische Element“ besonders wichtig, aber sie wüssten nicht, was in Israel tatsächlich passiert.

Bei den katholischen Gemeinden sei es anders. Es würde Hunderttausende von Gastarbeitern aus Asien in Israel geben, die alle „gut katholisch“ seien und sehr agil. Die kath. Kirche baue Kindergärten, Krankenhäuser und Altersheime.

Die Referentin nannte viele Beispiele „hochrangiger christliche Persönlichkeiten“, die in Israel besondere Posten bekleiden, auch in der Armee, und deren Wirken in Israel bekannt sei. Aber es gäbe auch die andere Seite: Misstrauen, Verleumdung bis hin zur Verfolgung.

Schon vor Jahren wurden die israelischen, aramäisch sprechenden Christen, die sieben verschiedenen orthodoxen Kirchen angehören, als eigenständige Ethnie anerkannt. Vieles änderte sich, z.B. wurden eigene Schulkurrikula entwickelt, die sich deutlich von den bisherigen arabisch(-muslimisch)en Lehrplänen unterscheiden.

Jüdische Israeli und Christen waren an einer friedlichen, konstruktiven Zusammenarbeit auf Augenhöhe interessiert. Während die Christen in den umgebenden arabisch-muslimischen Ländern diskriminiert, verfolgt oder gar getötet wurden, war die vollständige Integration der Christen für den Staat ein wichtiges Ziel. Gefördert wurde diese Entwicklung (auch) vom Forum Christen und Juden in Israel. Die Mitglieder und Freunde sind gut, z.T. weltweit vernetzt und erfahren vielfältige Unterstützung.

„Die Gruppe der aramäisch sprechenden Christen besitzt eine besondere Vielfalt. Sie ist offen gegenüber jedem und prägt die Lebensräume, in denen sie zu finden sind“ gerät Frau Dr. Heldt fast ins Schwärmen. Egal, woher sie kämen. Sie lernten hebräisch und träten zunächst in die Armee ein (oder engagierten sich bei staatlichen sozialen Diensten). In der Armee werde man zum Israeli, und: „Sie sind die Pioniere einer neuen Zeit“.

Nicht zu verwechseln seien die „aramäisch sprechenden Christen“ mit den „arabischen Christen“. Letztere hängen häufig dem Panarabismus nach und stehen Israel mehr oder weniger feindlich gegenüber. Sie seien zunächst Araber und dann Christen.

Ähnlich wie die aramäisch sprechenden Christen verhielten sich die arabischen Israeli, d.h. in der Regel gemäßigt. 71 Prozent bezeichnen Israel als „guten Ort zum Leben“, 60 Prozent sehen in Israel ihr „Heimatland“ und gar 93 Prozent bezeichnen das Gebiet der palästinensischen Autonomiebehörde als „korrupten Polizeistaat“.

Seit vielen Jahren habe der israelische Staat Hunderte von Milliarden Schekel zur Integration der arabischen Israeli und zur Verbesserung der Lebensqualität bereit gestellt.

Das Problem seien allerdings radikale muslimische Organisationen und „arabisch-muslimische Banden“, die sich der Subversion verschrieben haben und gegen den israelischen Staat agieren. Vor nicht allzu langer Zeit wurde beispielsweise ein „Religionskrieg“ angedroht, wenn Juden auf dem Tempelberg beten dürften. „Immerhin handelt es sich, um die heiligste Stätte des Judentums“ so Frau Dr. Heldt.

Armut und Marginalisierung der arabischen Israeli hätten als Ursache nicht Konflikte mit den Israeli sondern seien politisch motiviert. Konflikte würden gezielt von der Hamas koordiniert, die Radikalisierung der arab. Israeli habe zugenommen.

Und UN-Organisationen und z.B. Amnesty International schätzten die Situation nicht richtig ein oder „spielen falsch“, bedauert Pfarrerin Dr. Heldt. „Sie nutzen regelmäßig Aufstände und Konflikte, um Israel anzuklagen – fälschlicherweise.“

„Hoffnung gebe die Tatsache, dass aktuell arabische Parteien an der Regierung beteiligt sind“. Die Referentin sprach von einem klugen Schachzug. Hoffnung gebe auch das Abraham-Abkommen mit vielen arabischen Staaten. Der wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung sei für die beteiligten arabischen Staaten und Israel bereits heute sichtbar. Diese bedeutenden Schritte ließen auf eine friedliche Koexistenz, auf ein gutes Miteinander „in naher Zukunft“ hoffen, wagte die Referentin als Prophezeiung. „Israel wählt das Leben!“ war ihr Fazit.

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