Spurensuche: Speyer - 2000 Jahre Geschichte
Am 16. Juni machten sich 25 Mitglieder und Freunde des DIFK in Speyer auf Spurensuche. Die Stadt soll 10 v. Chr. als römisches Heerlager gegründet worden sein, zusammen mit einer Siedlung der germanischen Nemeter auf der linken Rheinseite. Im Jahr 1990 feierte Speyer ihr 2000-jähriges Bestehen. Sucht man nach den ältesten Städten Deutschlands, so landet Speyer – je nach Definition und Vorgehensweise – auf einem Platz unter den ersten Zehn.
Erste Station war der Dom, die Kathedrale des Bistums Speyer, die der Heiligen Gottesmutter Maria und dem heiligen Stephan geweiht ist. Den Bau hatte vor fast 1000 Jahren Kaiser Konrad II. in Auftrag gegeben. Die Weihe fand 1061 statt.
Der Speyerer Dom ist eines der größten und bedeutendsten romanischen Bauwerke der Welt. Eine Besonderheit sind die bis heute unverändert gebliebene Krypta sowie die Grablege von insgesamt elf Kaisern, Kaiserinnen und Königen des Mittelalters. Darüber sind im sogenannten Kaisersaal Fresken ausgestellt, die früher die Apsis der Kirche zierten. Sie wurden im 19. Jahrhundert fachgerecht entfernt und vermitteln heute einen Eindruck vom Dom zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Im Mittelschiff – 33 Meter hoch und 134 Meter lang – sind ebenfalls noch Fresken vorhanden, allerdings weit oben unter den Fenstern. Der Innenraum weist, bis auf wenige Ausnahmen, keinen besonderen Schmuck auf. Die Wände zeigen lediglich die verwendeten, roh behauenen Steine – Romanik in ihrer reinsten Form.
Über dem Altar hängt eine große Nachbildung der Krone Konrads II. Links neben dem Altar stehen der Bischofsstuhl sowie eine Statue von Maria mit dem Jesuskind.
Besonders beeindruckend sind die neue Orgel mit über 5.000 Pfeifen, die bei zahlreichen Orgelkonzerten zum Einsatz kommt, sowie die metallene Tür des Hauptportals mit Szenen aus dem Alten Testament und dem Leben Marias.
Am Ende des Kirchenbesuchs wurde die Kirchenführerin (Christa Holdermann) vom Stadtführer (Dr. Bernhard Queisser) abgelöst. Der ehemalige Kinderarzt führte die Gruppe durch die ältesten Teile der Stadt entlang des Speyerbachs, erläuterte die Begradigung des Rheinlaufs im Bereich des Domes lange vor Tulla und berichtete vom nicht immer störungsfreien Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Macht in der Stadt.
Die Mittagspause verbrachte die Gruppe im Gasthaus der Dombrauerei, bevor es anschließend zum Judenhof ging. Bereits im Jahr 1084 entstand die erste jüdische Gemeinde in Speyer – nicht als Ghetto, sondern über die Stadt verteilt.
In der kleinen Pfaffengasse befand sich die mittelalterliche Synagoge mit einer Frauenschul, einem separaten Gebetsraum für Frauen sowie einem sehr gut erhaltenen Ritualbad (hebräisch: Mikwe), das im Jahr 1120 erbaut wurde und bis heute vollständig erhalten ist.
Als „Jerusalem am Rhein“ erlangten die jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter ein hohes Ansehen in Europa. Bis heute sind die sogenannten SCHUM-Städte herausragende Zeugnisse jüdischen Lebens und jüdischer Kultur und seit 2021 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Das Akronym „SchUM“ steht für die Initialen der hebräischen Namen der drei Städte: Schin (ש) für Schpira (Speyer), Waw (ו) für Warmaisa (Worms) und Mem (מ) für Magenza (Mainz).
Der „Heilige Sand“ in Worms gilt als ältester in situ erhaltener jüdischer Friedhof in Europa, die Speyerer Mikwe als das älteste erhaltene rituelle Tauchbad in Mitteleuropa und die Wormser Frauenschul als die erste überlieferte Frauensynagoge. Wiederaufbau- und Sicherungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert haben die historische Bedeutung dieser Denkmäler bewahrt.
Entlang der Maximilianstraße, der Fußgängerzone mit zahlreichen Geschäften und Cafés, ging es vorbei am spätbarocken historischen Rathaus (1712–1726) zum Altpörtel. Mit 55 Metern ist es eines der höchsten Stadttore Deutschlands. Der untere Teil wurde zwischen 1230 und 1250 erbaut; das oberste Turmgeschoss mit spätgotischer Maßwerksbrüstung und Arkadenbögen wurde in den Jahren 1512/1514 hinzugefügt.
Auf der Ostseite (Stadtseite) sowie auf der gegenüberliegenden Westseite sind jeweils Zifferblätter einer Uhr angebracht. Das größere zeigt lediglich die Stunden, das kleinere die Viertelstunden – Minuten mussten geschätzt werden. Die stadtabgewandten Zifferblätter sind deutlich größer, damit Ankommende schon aus der Ferne die Uhrzeit ablesen konnten.
Ebenfalls auf der Außenseite ist das in Speyer verwendete Längenmaß angebracht, der etwa 28 Zentimeter lange „Speyerer Schuh“.
Die verbleibende Stunde bis zur Abfahrt des Busses nutzten einige zum Kaffeetrinken, andere besuchten die Friedenskirche St. Bernhard, die 1953/54 als Zeichen der Versöhnung gemeinsam von Franzosen und Deutschen errichtet wurde. Daneben befindet sich der von 1502 bis 1881 genutzte alte Friedhof, der seit 1992 als Park unter Denkmalschutz steht.
Am 1. Juli 2017 wurde dort Bundeskanzler Helmut Kohl, Ehrenbürger Europas, bestattet, nachdem er am 16. Juni 2017 verstorben war.
Gegen 16:30 Uhr trat die Gruppe die Rückfahrt nach Karlsruhe an. Dort dankte Vorsitzender Bernd Morlock allen Teilnehmern sowie dem Busfahrer der Firma Cramer und dem stellvertretenden Vorsitzenden Hanspeter Gaal, der die Spurensuche vorbereitet hatte.